Muss mein Kind probieren? – Regeln am Esstisch

„Sollen Kinder etwas gerne essen, muss man es ihnen häufig anbieten. 2- bis 3-mal reicht nicht, es muss 10- bis 15-mal sein.“ So die Meinung von Marianne Botta-Diener, dipl. Lebensmittelwissenschaftlerin und achtfache Mutter. Wer weiss es, wenn nicht sie? Das Thema „probieren“ beschäftigt Erzieher wie Eltern immer wieder.

Probieren muss sein – oder etwa nicht?

Ich habe mir einmal erlaubt eine nicht-wissenschaftliche Berechnung anzustellen. Wer mich kennt, weiss, dass ich eine sehr unkomplizierte Esserin bin. Hauptsache es gibt etwas zu essen. Mit einem Lebensmittel werde ich aber seit jeher nicht warm. Und das ist Fisch. Für meine Familie besonders schlimm, denn mein Vater ist Berufsfischer und legt sehr viel Wert auf den freitäglichen Fischgenuss.Nun esse ich seit 30 Jahren vom Tisch. 20 davon im Haus meiner Eltern. Das sind 1040 Wochen. Über 1000 Freitage, an denen ich angehalten wurde Fisch zu essen. In allen Variationen, paniert, gebraten, gedünstet, mit Sauce, ohne Sauce, mit Mayonnaise, Ketchup, usw. Und wisst ihr, was passiert ist? Nichts! Ich mag keinen Fisch. Auch heute nicht. 1000 mal probiert, 1000 mal ist nichts passiert… Da drängt sich mir die Frage auf, ob Frau Botta-Diener vielleicht doch nicht so richtig liegt?

Ich habe Fisch in allen möglichen Variationen probiert und mag ihn trotzdem nicht.

Ein Kind nimmt sich was es braucht

Doch warum ist es vielen von uns so wichtig, dass Kinder überhaupt probieren? Geht es wirklich um den Geschmack, wenn wir sie dazu zwingen ein winzig kleines Stück in den Mund zu nehmen? Oder geht es viel mehr um Macht und darum, zu zeigen wer am längeren Hebel sitzt? Warum vertrauen wir beim Essen unseren Kindern so wenig und lassen sie selbst entscheiden, was und wie viel sie essen möchten? Oder ist es einfach die Angst vieler Eltern, dass das eigene Kind nicht genug isst und somit auch nicht alle Nährstoffe, die es braucht, erhält? Ich kenne diese Ängste nur zu gut. Als Rabauke den Brei verweigerte und ich mich das erste Mal mit BLW auseinandersetzte, stellten sich mir genau diese Fragen. Bekommt er genug? Wird er satt? Einmal mehr durfte ich erleben, wie ein Kind instinktiv weiss welche Nahrungsmittel es gerade braucht. Mal waren es mehr Kohlenhydrate, ein anderes mal vor allem Proteine. Entspannt euch, liebe Eltern. Ein gesundes Kind nimmt sich was es gerade braucht.

Wusstet ihr, dass euer Kind ein natürliches Hunger- bzw. Sättigungsgefühl hat (hätten wir eigentlich auch, nur haben es sich viele von uns „abtrainiert“) und genau spürt, was sein kleiner Körper im Moment braucht? Natürlich funktioniert das nur, wenn ihm auch gesunde Lebensmittel angeboten werden und auf eine ausgewogene Ernährung geachtet wird. Nach einer Kohlenhydrat-Phase ist der Rabauke zur Zeit auf einer Mandarinen-Bananen-Diät. Vitamine sind gefragt. :)Natürlich ist es in solchen Momenten frustrierend, wenn er meine liebevoll gekochte Mahlzeit verschmäht und dafür lieber in die allzeit griffbereite Obstschale fasst. Zum Glück lassen sich ja ganz viele Resten entweder einfrieren oder am nächsten Tag aufwärmen (manchmal wird es dann plötzlich gegessen und die Müh war doch nicht umsonst).

Kinder, die kleinen Krümelmonster

Vielleicht habt ihr aber auch Angst, dass, wenn ihr eurem Kind freie Hand lässt, es nur Süsskram und Chips in sich hineinstopfen würde? Aber tut ihr das denn? Ihr habt freien Zugang zu Schokolade und Co., oder? Esst ihr deswegen den ganzen Tag nichts anderes? Warum sollten es dann unsere Kinder tun? Hier ein Beispiel aus unserem Alltag: nach dem Mittagessen gibt es immer ein kleines Dessert. Das kann ein Stück Schokolade, ein Keks oder ein paar Beeren sein. Aktuell sehr beliebt nach den Mandarinen zum Hauptgang eine Banane zum Nachtisch. Rabauke entscheidet sich von sich aus für die Frucht. Obwohl er auch zum süßen Schokokeks greifen dürfte. Aber er entscheidet sich für das gesündere Lebensmittel. Ihr seht, unsere Kinder sind nicht nur kleine Krümelmonster, sondern auch sehr verantwortungsvolle Menschen.

Kinder probieren viel lieber, wenn sie bei der Zubereitung mithelfen dürfen

Liebe Eltern, um noch einmal auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Nein, ein Kind muss meiner Meinung nach nichts probieren, dass es nicht möchte. Am Esstisch hat Druck und Zwang nichts zu suchen. Versucht vielmehr ein gutes Vorbild zu sein und ernährt euch selbst gesund und ausgewogen. Achtet darauf, dass die Mahlzeiten frisch zubereitet sind und bezieht euer Kind wann immer möglich in die Zubereitung mit ein. Und plötzlich wird vielleicht aus einem einst mäkligen Esser ein Alles-Probierer. Es ist in Ordnung gewisse Lebensmittel einfach nicht zu mögen. Euer Kind wird sich trotzdem (oder gerade deshalb) hervorragend entwickeln.

Wie laufen die Mahlzeiten bei euch zu Hause ab? Habt ihr weitere Fragen zum Thema Ernährung? Ich freue mich auf eure Kommentare und Nachrichten.

Eure

Corina

Übrigens, den ganzen Artikel von Marianne Botta-Diener gibt es hier. Und falls ihr Lust habt, mehr über den Alltag ohne Regeln zu erfahren, dann lest gerne hier weiter.

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Corina

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