„Ist ja nicht schlimm“ – Kinder richtig trösten

Es passiert den Besten. Und es tut jedes mal unglaublich weh. Ich rede vom Schmerz, den du im ganzen Bein spürst, wenn du dir den kleinen Zeh am Stuhlbein stösst.

Ich stehe also in der Küche, leise vor mich hin fluchend und den Tränen nahe. Da kommt Rabauke herein, schaut mich an und fragt, ob ich mir weh getan habe. Ich nicke schmerzerfüllt und hoffe auf eine tröstende Geste. Weit gefehlt. Mein 2-jähriger Sohn wirft einen Blick auf meinen Fuss und sagt: „Mami, isch doch nid so schlimm!“.

Wie kommt mein Kind darauf, dass es nicht schlimm ist? Trösten stelle ich mir anders vor.

Bitte WAS? Es ist nicht so schlimm? Nicht so schlimm?? Wie kommt er denn bitte darauf? Es tut höllisch weh!!

Es ist schlimm – denn das Vertrauen leidet

Oftmals ist es fast schon ein Reflex. Ein Kind fällt hin und dass erste, das der Erwachsene macht, ist zu rufen, dass nichts passiert ist. Aber warum? Viele sagen, dass das Kind so gar nicht erst auf die Idee kommt, anzufangen zu weinen und gleich wieder weitergeht. Doch hast du dir schon einmal überlegt, wie es deinem Kind dabei geht?

Dein Kind vertraut dir blind. Es glaubt dir, dass nichts passiert ist. Obwohl es vielleicht einen Schmerz spürt. Irgendwann wird es sich und seinem Empfinden nicht mehr trauen, da es ja schon früh gelernt hat, dass seine Wahrnehmung falsch ist.

Ist ja nicht so schlimm – für mich schon

Stell dir einmal vor, dir passiert das Gleiche wie mir. Du stösst dir den Zeh, dein Partner kommt rein und findet du sollst dich nicht so anstellen, ist ja nichts passiert. Wie fühlst du dich? Ich kann dir sagen, wie ich mich fühlen würde. Nicht ernst genommen, blöd und traurig. Meine Gefühle und mein Schmerz werden ignoriert und man nimmt mich nicht für voll.

Genau das tun wir mit unseren Kindern in dem Moment. Wir nehmen sie und ihre Gefühle nicht ernst. Woher kann ich wissen, dass dieser Sturz nicht wehgetan hat? Wie gelingt es mir den Schmerz meines Kindes zu erfühlen? Gar nicht. Und gerade deshalb ist es so wichtig, die Empfindungen eures Kindes zu respektieren und ihnen Raum zu geben.

Gefühle zulassen statt zu verneinen

Stell dir vor, der ganze Tag läuft schon richtig schlecht und nun fällt dir auch noch das Glas zu Boden und zerbricht. Am liebsten würdest du heulen. Wie gut täte es jetzt, wenn dich einfach jemand in den Arm nehmen würde und dich festhalten? Deinen Gefühlen Raum geben? Und du weinen dürftest, soviel du möchtest?

Beim Trösten geht es um Gefühle benennen & zulassen. Sätze wie "ist nicht so schlimm" oder "es ist ja nichts passiert" haben dabei keinen Platz.

Auch unsere Kinder kennen solche Tage. Vielleicht gab es Streit in der Kita, das Mittagessen hat nicht geschmeckt und jetzt fällt der doofe Legoturm auch noch um. Es ist zum Heulen. Nimm dein Kind in den Arm. Du kannst mit ihm sprechen, seine Gefühle verbalisieren oder einfach nur da sein. Aber bitte nimm dein Kind wahr. Es ist etwas passiert, die Situation ist gerade schlimm. Bitte verneine das nicht. 

Wie gehst du mit solchen Situationen um? Wie tröstet du dein Kind? Ich freue mich auf deine Kommentare und Nachrichten.

Eure

Corina

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Corina

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