„Wenn wir keine Konsequenzen androhen, macht das Kind doch was es will!“ Diesen Satz höre ich in Beratungen und Workshops immer wieder. Und die Sorge dahinter ist absolut verständlich. Niemand möchte Kinder bzw. spätere Erwachsene, die rücksichts- und vor allem respektlos durchs Leben gehen.
Viele Eltern befinden sich jedoch in einem Dilemma: Einerseits möchten sie ihre Kinder glücklich machen, die Beziehung zu ihnen stärken und ihnen etwas bieten. Nicht selten endet dies in einer gewissen Grenzenlosigkeit aus Nachgeben, Verhandeln und Bitten. Ein Zustand, den auf Dauer niemand glücklich macht, weder die Eltern noch die Kinder. Irgendwann wird es den Erwachsenen zu viel und sie fallen in alte Muster aus Schimpfen, Drohen und Bestrafen zurück. Nur um sich hinterher schlecht zu fühlen und sich zu fragen, wofür man eigentlich all die schlauen Bücher und Blogs liest, wenn am Ende eh nichts davon im Alltag umsetzbar ist.
Und trotzdem hast du die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass es eine Lösung gibt, gäll? Sonst wärst du wahrscheinlich nicht hier. 🙂 Ich zeige dir heute, wie du deinem Kind Grenzen setzen kannst, ohne, dass die Beziehung zu ihm*ihr zerbricht, ohne Bestrafung und ohne Drohung.
Warum brauchen Kinder überhaupt Grenzen?
Grenzen sind keine Absperrbänder, die die Kinder einschränken, sondern eher wie Leitplanken. Sie geben Halt, Orientierung und das Gefühl von Sicherheit.
Ein Kind, das keine klaren Grenzen spürt, fühlt sich unbewusst orientierungslos. Es fängt an zu testen, zu „provozieren“, um zu spüren, wie weit es bei den Erwachsenen gehen kann. Ganz nach dem Prinzip Aktion = Reaktion.
Die Frage ist also nicht, ob wir als Eltern Grenzen setzen sollen, sondern wie wir sie setzen. Grenzen aus der Macht heraus, trennen unsere Verbindung zum Kind. Sie arbeiten mit Angst, Druck und Härte („Weil ich das sage!“ oder „Wenn du nicht hörst, gehst du auf dein Zimmer!“).
Grenzen aus der Beziehung dagegen gebrauchen Präsenz, Empathie und Klarheit. („Ich sehe deinen Wunsch, aber meine Antwort ist Nein. Ich bin hier und helfe dir durch die Enttäuschung.“). Sie stärken die Verbindung.
Liebevoll Grenzen setzen
Wie schon erwähnt sind Kinder nicht immer glücklich über unsere Grenzen. Das müssen sie auch überhaupt nicht. Sie dürfen wütend darüber sein, dass wir ihnen das Laufrad abnehmen, um die Strasse zu überqueren und sie dürfen es auch gemein finden, wenn wir ihnen nicht noch ein drittes Glace erlauben. Es liegt in unserer Verantwortung, Kinder da zu schützen, wo sie es selbst noch nicht können und genau dazu sind Grenzen da.
Und es liegt auch an uns, unsere Kinder durch die Gefühle zu begleiten, die die Grenzen bei ihnen auslösen. Dabei ist die Selbstregulation, von der ich im letzten Artikel geschrieben habe, essentiell. Je regulierter wir in solchen Momenten sind, umso leichter fällt uns die Co-Regulation unserer Kinder.
Was hilft ausserdem liebevoll Grenzen zu setzen?
- Bedürfnis hinter dem Verhalten erkennen: Warum löst meine Grenze beim Kind gerade einen solchen Widerstand aus? Welches Bedürfnis steckt hinter seinem Verhalten (Hunger, Durst, Autonomie, etc.)?
- Körperlich präsent sein: Bevor du Grenzen setzt, lege alles weg, was du gerade in den Händen hältst und gehe zu deinem Kind auf Augenhöhe. Suche Blick- und Körperkontakt und sprich ruhig und klar. Es braucht keine langen Erklärungen und schon gar keine Verhandlungen. Es braucht echte Präsenz und Klarheit.
3 Alltagssituationen in der Praxis
| Situation | Macht | Verbindung |
| Das Kind will vom Spielplatz nicht nach Hause. | „Wenn du jetzt nicht kommst, gehe ich alleine!“ | „Du willst noch bleiben, das sehe ich. Wir gehen aber jetzt nach Hause. Möchtest du laufen oder soll ich dich tragen?“ |
| Das Kind haut vor Frust. | „Wir hauen nicht! Ab in dein Zimmer, bis du dich beruhigt hast!“ | „Stopp. Ich will nicht, dass du mich haust. Du bist richtig wütend und das darfst du auch sein, aber hauen tut weh!“ |
| Das Kind verweigert das Zähneputzen. | „Wenn du jetzt nicht putzt, gibt es morgen kein Fernseher!“ | „Zähneputzen ist nicht verhandelbar, deine Zähne müssen gesund bleiben. Aber du darfst dir gerne aussuchen, ob wir im Bad oder in der Küche putzen.“ |
Grenzen schaffen Vertrauen
Du musst dein Kind nicht bestrafen, damit es etwas lernt. Kinder lernen an unserem Vorbild, unseren Werten und unserer Führung. Und ganz wichtig: Du verletzt die Beziehung zu deinem Kind nicht, in dem du Grenzen setzt. Du schützt dein Kind.
Fällt es dir im Alltag schwer Grenzen zu setzen? Vielleicht hilft dir meine Übung zur Werte-Findung. Sie zeigt dir, wie du dich auch in hektischen Zeiten darauf ausrichtest, was dir wirklich wichtig ist. Dies hilft dir unnötigen Stress und Diskussionen zu vermeiden und gelassener und selbstbewusster zu werden.
Hast du Fragen zu diesem Artikel? Oder ganz allgemein zur bewussten Elternschaft? Ich freue mich auf deinen Kommentar oder deine Email an corina@mama-kann-das.com
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