Stiller Stuhl – Kind nimmt eine Auszeit

In letzter Zeit stosse ich in Foren und Facebook-Gruppen immer wieder auf das Thema „Auszeit bei Kleinkindern“ und den damit verbundenen stillen Stuhl. Hast du schon einmal Bekanntschaft damit gemacht?

Stiller Stuhl – eine kurze Erklärung

Der stille Stuhl kann auch eine Treppe, eine Bank oder eine Ecke sein und kommt meist dann zum Einsatz, wenn ein Kind ein, für uns, unerwünschtes Verhalten zeigt. Die Idee dahinter ist, dass das Kind aus dem Geschehen herausgenommen wird und Zeit hat darüber nachzudenken, was vorgefallen ist und warum es nun hier sitzt.

Auf swissmom.ch findet man folgende Anleitung für den stillen Stuhl als Erziehungsmittel:

Stellen Sie einen Hocker, einen Stuhl oder ein Kissen in eine Ecke jenes Raumes, indem Sie sich am meisten aufhalten. Bei problematischem Verhalten soll sich das Kind auf den Hocker setzen und für zwei bis drei Minuten ganz ruhig sein. Die Kinder beruhigen sich dort in der Regel ziemlich rasch. Erklären Sie Ihrem Kind den „stillen Stuhl“ und die jeweiligen Regeln im Voraus. Es muss genau wissen, aus welchen Gründen es auf den Stuhl muss.(…)

https://www.swissmom.ch/kind/erziehung/foerdern-und-unterstuetzen/logische-konsequenzen/

Erfolgreiche Erziehungsmethode

Äußere ich Kritik an der Stuhl-Methode, bekomme ich immer wieder zu hören, dass bereits nach wenigen Malen das Kind wusste, was es zu tun und zu lassen hat. Der stille Stuhl ist also ein voller Erfolg.

Und das würde ich auch nie bezweifeln. Der stille Stuhl funktioniert. Ohne Zweifel. Kinder lernen schnell.

Lernergebnisse „stiller Stuhl“

Ein stiller Stuhl kann auch eine Treppe oder ein Hocker sein und dient als Erziehungsmethode.

Was wir glauben, dass sie lernen:

  • Mein Verhalten war falsch, unangebracht, störend, etc.
  • Das nächste Mal werde ich in einer solchen Situation anders reagieren.
  • Nun werde ich mich für mein Verhalten aufrichtig entschuldigen, denn ich weiss jetzt, was ich falsch gemacht habe.

Wäre cool, oder? Das (Klein-)Kind setzt sich mal kurz auf die Treppe und reflektiert sein Verhalten. Easy. Ich meine, komm schon, dass gelingt uns Erwachsenen ja selbst nicht immer, wie können wir so etwas von unseren Kindern erwarten?

Aber keine Angst, das Kind lernt schon etwas, während seiner Auszeit. Soll ja nicht alles vergeblich gewesen sein.

  • So wie ich mich verhalte, ist es falsch. Folglich bin ich falsch.
  • Meine Eltern mögen mich, so wie ich bin, nicht.
  • Meine Bedürfnisse hinter meinem (Fehl-)Verhalten werden nicht wahrgenommen, weil ich es nicht wert bin.
  • Ich werde dieses Verhalten nicht wiederholen, ansonsten liebt mich meine Mami / mein Papi nicht mehr.

Hmmm…. möchtest du, dass dein Kind so etwas über sich denkt? Soll dein Kind mit diesen Glaubenssätzen aufwachsen? Sehe ich da ein leichtes Kopf schütteln?

Der stille Stuhl und mögliche Alternativen

Während Belohnungen Glückshormone im Gehirn freisetzen (mehr zum Thema Belohnung in der Erziehung liest du hier), lösen Bestrafungen Angst aus. Der stille Stuhl ist, wie alle anderen Bestrafungen und Konsequenzen, darum so erfolgreich, weil er dem Kind ganz einfach Angst macht und es manipuliert.

Doch wie kannst du anders reagieren? Was ist, wenn dein Kind einfach nicht auf dich hört / du am Ende mit deinem Latein bist?

Nehmen wir eine Situation aus dem Alltag, die wahrscheinlich bei den meisten Familien schon einmal eingetroffen ist:

Kind (2 Jahre) spielt zu Hause mit einem Freund. Plötzlich haut er dem anderen sein Spielzeugauto auf den Kopf. 

Geschrei, Geheule, ab auf den stillen Stuhl. Das ist die logische Konsequenz. Fehlverhalten, und Hauen ist Fehlverhalten, wird mit einer Auszeit bestraft. Das Kind hat nun Zeit darüber nachzudenken, was es falsch gemacht hat. Macht es bestimmt auch, weil es ist ja 2(!) Jahre alt und, wie schon erwähnt, äußerst reflektiert.

Wenn du Glück hast, schreien jetzt beide Kinder, das eine, weil es gehauen wurde und das andere, weil es in der Ecke hocken muss. Vorbei ist’s mit dem gemütlichen Playdate.

Weder Bestrafung noch Konsequenz

Was kannst du nun also tun, ohne dein Kind mit einer Auszeit zu bestrafen?

  • Aus der Situation nehmen: es muss ja nicht noch einmal passieren
  • Die Situation als Ganzes betrachten: hat das andere Kind ihm etwas weggenommen? Ging ein Konflikt voraus? Diente es der Kontaktaufnahme?
  • Erklären: Hauen tut weh, dein Freund möchte das nicht / ICH möchte das nicht, das tut ihm weh
  • Auslöser / Bedürfnis erkennen: vielleicht möchte dein Kind sein neues Lieblingsauto nicht teilen? Vielleicht braucht er gerade Mama-Nähe? Hunger? Müdigkeit? Überforderung? Nähe/Distanz? Das können alles Auslöser für sein Hauen sein.
Dein Kind braucht deine Liebe und keine Bestrafungen.

Ich weiss, dass ist alles ein wenig anstrengender als sein Kind einfach mal auf die Treppe zu setzen. Schlussendlich wirst du damit aber den weitaus grösseren Erfolg haben. Denn dein Kind lernt selbst Gefühle auszudrücken, Konflikte gewaltfrei zu lösen und, am aller wichtigsten, es lernt, dass seine Bedürfnisse gesehen und gehört werden, es geliebt wird und keine Angst haben muss. Dein Kind dankt es dir, indem es zu einem selbstbewussten und empathischen Menschen heranwächst.

Wie stehst du zu diesem Thema? Was hältst du von Auszeiten? Ich freue mich auf deine Rückmeldung.

Deine

Corina

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Corina

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