postpartale Depression – die Dunkelheit nach der Geburt

Ich saß lange über diesen Zeilen, wusste nicht ob ich sie veröffentlichen soll. Aber vielleicht gibt es da draussen eine Mutter, die ähnlich fühlt. Postpartale Depression, ein Tabuthema mit dem wir endlich brechen sollten.

Endlich bist du da. Die letzten Tage waren anstrengend. Doch nun sind wir zu Hause. In unseren vier Wänden. In unserem daheim. Ich liege mit dir auf dem Bett und schaue dich an. Ich sollte die glücklichste Mama sein. Du bist so vollkommen. Ein gesunder, hübscher Junge. Doch ich fühle nichts. Ich horche in mich hinein. Da ist nichts. Nichts glückliches. Nichts liebendes. Eine einzige Leere. Ich bin mir fast sicher, es ist nur ein Traum. Die Geburt war kräftezehrend. Ich bin müde. Ich will schlafen. Wenn ich aufwache, ist mein altes Leben zurück. Ohne Kind. Ohne Verantwortung.

Doch das passiert nicht. Du bist immer noch da. Mein Leben wurde von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt. Ich möchte die Zeit zurück drehen. Doch das kann ich nicht.

Die Fassade aufrechterhalten

Die nächsten Tage und Wochen funktioniere ich. Ich bade dich. Stille dich. Ich trage dich. Und ich frage mich immer wieder, warum ich nichts fühle. Wo ist die Mutterliebe? Was ist falsch mit mir?

Andere Mütter erzählen mir von ihren ersten Wochen. Vom Baby Blues. Von Überforderung. Und gleichzeitig von noch nie gespürter Liebe. Von Anfang an.

Im Internet gibt es unzählige Mütter, die von Gefühlschaos erzählen. Von Hormonumstellung. Von Liebe. Und von Glück.

Ich fühle mich schlecht.

Ich schämte mich für meine Gedanken. Die postnatale Depression nahm mir jegliche Freude.

Ich schäme mich. Mehr und mehr. Ich schäme mich abgrundtief für die dunklen Gedanken. Gedanken, die ich niemals aussprechen möchte, denn es bricht mir das Herz. Was bin ich für eine Mutter? Ich mache mir Vorwürfe.. Die Dunkelheit scheint mich zu verschlingen. Innerlich. 

Äußerlich funktioniere ich. Ich habe alles im Griff, bin mittlerweile fast schon Profi im Tragetuch binden und BLW-Anhängerin. Bin zurück im Beruf. Ich höre oft, wie locker mir doch alles fällt. Arbeit und Familie. Es scheint alles perfekt.

Abends im Bett liege ich neben dir. Schaue dich an. Frage mich immer und immer wieder was mit mir nicht stimmt. Ich rede mit niemandem darüber. Wer soll mich bitte verstehen? Eine Mutter, die ihr Kind nicht liebt? Unvorstellbar. Die Scham ist zu gross. Ich spiele weiterhin allen etwas vor.

Die Macht der Zeit

Es ist ein langsamer Prozess. Aber es tut sich etwas. Die Zeit vergeht und ich gewöhne mich an dich. Ich fange an, dich zu vermissen, wenn du nicht in meiner Nähe bist, geniesse die Zeit, welche wir zusammen verbringen.

Ich fange an dich zu lieben.

Während ich diese Zeilen schreibe, muss ich immer wieder unterbrechen. Ich werde von Tränen heimgesucht. Von Weinkrämpfen durchgeschüttelt. Es tut mir so wahnsinnig leid, dass ich nicht von Anfang an die Mutter war, die du verdient hast. Dass ich nicht den Mut gehabt habe, mir Hilfe zu holen.

Ich kann die Zeit nicht zurück drehen. Aber ich kann dir ein Versprechen für die Zukunft geben.

Mein Kind, ich liebe dich. Für immer und ewig. Bis zur Unendlichkeit.

Die Liebe kam erst mit der Zeit. Der Anfang war dunkel. Postpartale Depression.

Wie am Anfang erwähnt, habe ich lange überlegt, ob ich meine Gedanken veröffentlichen soll. Postpartale Depression. Für mich ein Begriff, auf den ich nach der Geburt immer wieder gestossen bin, es jedoch nicht wahrhaben wollte. Mittlerweile versuche ich möglichst offen darüber zu reden und die ersten Monate nach der Geburt zu verarbeiten. Dieser Text ist ein Schritt auf meinem langen Weg. Bist du auf der Suche nach Hilfe? Schau doch einmal auf der Seite von pro juventute vorbei. Hier habe ich das erste Mal Kontakt zu einer Fachperson aufgenommen.

Ich freue mich natürlich über Erfahrungen und Rückmeldungen von euch. Vielleicht hat jemand ähnliches durchgemacht?

Eure

Corina

Corina

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