Sternenkinder – eine Mama erzählt

Still und leise war mein Kind gegangen, ohne dass ich es gemerkt hatte.

Mary berichtet über ihre Sternenkinder.

Ich bin Mary, 36 Jahre jung und schreibe einen Mamablog namens MaryLouloves über mein Regenbogenkind Isabella. Der Weg zu unserem Wunschkind war nicht immer einfach, denn neben unserer Tochter haben wir zwei weitere Kinder im Herzen, die wir nie an der Hand halten durften. Über den Spagat zwischen Sternenmama und Regenbogenmama berichte ich auf meinem Blog, der besonders an Jahrestagen und Weihnachten nicht immer leicht ist. Hier stellen wir Euch auch unsere gemeinsamen Lieblingsbücher vor und ich lasse meine Leser teilhaben an meinen Gedanken. Heute teile ich meine Geschichte meiner Sternenkinder mit euch.

„Sternenkinder – so werden ursprünglich liebevoll jene Kinder genannt, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder nach der Geburt sterben. Inzwischen wird dieser Begriff jedoch auch häufig für die Kinder verwendet, die über 500 Gramm wogen, so wie jene, die kurz nach der Geburt gestorben sind.“ Für mich ist dieses Wort seit 2014 so präsent in meinem Leben wie sonst keines. Doch oftmals fehlt das Verständnis für die Trauer um Sternenkinder in der Gesellschaft. Trauer und Abschied nehmen ist seit Generationen ein Tabuthema, und umso mehr wenn es um tote Kinder geht. Ich möchte Enttabuisieren und Aufklären und daher über meine 2 Sternenkinder erzählen. Ich möchte anderen Sterneneltern Halt geben und zeigen , dass sie nicht alleine sind und am Ende des Weges doch noch das Glück warten (Kann). Und ich möchte die Sternenkinder sichtbar machen. Deshalb erzähle ich euch heute von meinen beiden Sternchen.

Unser erstes Sternenkind

Im Oktober 2014 hielt ich das erste Mal in meinem Leben einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Mein Lebensgefährte und ich hatten wenige Wochen zuvor beschlossen mit der Familienplanung zu beginnen. Im Dezember wollten wir, passend zu Weihnachten, unserer Familie diese frohe Botschaft verkünden. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Anfang Dezember fuhr ich Abends mit Blutungen ins Krankenhaus. Nach einer Ewigkeit hatte endlich eine Ärztin Zeit für uns (dabei waren es nur knappe 3 Stunden die wir warten mussten und das direkt vor dem Kreißsaal. Wir wurden mit neugeborenen Leben konfrontiert, während wir um das Leben unseres Kindes bangten). Als eine schlecht Deutsch sprechende Ärztin dann Zeit für uns hatte und einen Ultraschall vornahm, sah ich bereits, bevor die Ärztin auch nur ein einziges Wort sagen konnte, dass kein Herzschlag zu sehen war.

Ich fiel ins Bodenlose. Wäre mein Lebensgefährte nicht an meiner Seite gewesen, ich weiss nicht, was ich gemacht hätte. Wir, oder besser gesagt meine Frauenärztin und ich beschlossen, dass ich das Kind auf natürlichem Weg zuhause „verlieren“ wollte. Für eine Ausschabung ins Krankenhaus fahren zu müssen war für mich eine unmögliche Vorstellung. Einen Tag später verlor ich unser erstes Kind, welchem wir später den Namen Sascha gaben, zuhause. Dort verkroch ich mich die nächsten Tage und Wochen und das Leben zog an mir vorbei. Noch heute fehlen mir die Erinnerungen an diese Tage. Bekannte und Freunde versuchten mich zu erreichen , woran ich mich teilweise gar nicht mehr erinnern kann. Nur eines weiß ich noch genau: wochenlang sass ich morgens in der Badewanne und weinte um unser totes Kind.

Unser zweites Sternenkind

Anfang August 2015 hielten wir endlich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Wir erreichten die magische zwölfte Woche, von der so oft gesagt wird, dass bis hierhin noch so viel schief gehen kann. Wir verkündeten auf Arbeit die frohe Botschaft und weihten diesmal auch unsere Familie ein.

Nun erfuhren Sie auch von unserem ersten Sternenkind Sascha. Beim Ultraschall um die 15/16 Schwangerschaftswoche rum war alles in Ordnung. Natürlich war die Angst immer dabei, aber ich schaute positiv in die Zukunft.

Der 6. November 2016 ließ ein zweites Mal in meinem Leben mein Herz brechen. Als ich an jenem Abend zu Bett ging, merkte ich leichte Schmierblutungen. Auch wenn es diesmal anders und später war – ich wusste bereits in diesem Augenblick, dass unsere Geschichte sich wiederholen sollte. Ich hatte einfach dieses Gefühl. Meine Mama fuhr mich sofort ins Krankenhaus, wo ich diesmal, Gott sei dank, relativ schnell untersucht wurde. Ich lag zitternd auf der Untersuchungsliege und konnte den Blick nicht vom Bildschirm abwenden. Ich hoffte so sehr, mein Kind wohlbehalten und gesund auf dem Monitor zu erkennen, aber schon beim ersten Blick darauf sah ich Henry still und friedlich, ohne einen Herzschlag, ohne eine einzige Bewegung. Als ob er nur schlafen würde.

Alptraum zum Zweiten

Mir jedoch war sofort klar, dass das schlimmste, was mir passieren konnte, eingetreten war. Der Arzt schallte minutenlang, als ob er nicht glauben könnte, was er dort sah. Tatsächlich fragte er mich dann auch, ob ich in den letzten Tagen gestürzt wäre, oder irgendetwas außergewöhnliches passiert wäre. Als ich ihm sagte, dass vor knapp 3 Wochen bei der Vorsorgeuntersuchung noch alles ok gewesen wäre, schaute er mich traurig und fassungslos an. Er hatte wohl noch nicht oft in dieser Situation gesteckt. Welch ein Glück für ihn. Und vielleicht auch für mich. Nicht selten las ich später noch von Sternenmüttern, die mehr oder weniger „abgefertigt“ wurden, weil es eben inzwischen zum Alltag auf der Gynäkologie eines Krankenhauses geworden ist.

Am 07.11 um 22:05 brachte ich unseren Henry in der 18 Schwangerschaftswoche still zur Welt. Wie bei unserem ersten Kind hatte das Herz aufgehört zu schlagen, unser Henry war wahrscheinlich schon einige Tage verstorben. Wenige Wochen später wurde unser Henry mit den anderen Sternenkindern in meiner Heimatstadt beigesetzt. Mir ist es ein gewisser Trost zu wissen, dass er nicht alleine in seinem Erdenbettchen liegt. Ein eigenes Grab für mein Kind konnte ich mir damals und auch heute nicht vorstellen. Auch wenn wir über 400km weit weg wohnen, ist alles genauso wie es sein soll. Mein Papa wohnt nicht weit weg von Henrys Erdenbettchen und inzwischen kennt auch unsere Tochter Isabella das Grab Ihres Bruders.

Mary möchte mit dem Tabuthema Sternenkinder brechen.

Eine glückliche Fügung

Denn tatsächlich sind wir seit September 2016 Eltern einer wunderbaren Tochter. Ganz unverhofft und dank einer wirklich glücklichen Fügung wurde ich im nächsten Zyklus nach der stillen Geburt unseres Henrys erneut schwanger.Meine Frauenärztin sorgte noch Anfang Dezember dafür, dass ich bei einem Spezialisten für Blutgerinnung vorstellig wurde. Eine frühe und eine späte Fehlgeburt waren ihr Grund genug, nicht noch eine weitere Fehlgeburt abzuwarten. Mitte Januar erhielt ich die Ergebnisse des Gerinnungsspezialisten: Auf Grund einer vererbbaren Gerinnungsstörung hatte keines unserer zwei Kinder eine Überlebenschance gehabt. Gott sei Dank erhielt ich die Ergebnisse so kurz nach dem positiven Schwangerschaftstest denn so konnte ich in der Schwangerschaft mit meiner Tochter Heparin spritzen und dafür Sorge tragen, dass mein drittes Kind richtig versorgt wird.

Die Schwangerschaft war geprägt von Vorfreude auf der einen, aber Unsicherheit und Angst auf der anderen Seite. Doch diesmal sollten wir am Ende unser größtes Glück in den Armen halten: seit dem 11.09.2016 sind wir Eltern unseres Regenbogenbabys Isabella Gisele.

Unsere Sternenkinder – Unvergessen

Unser Schmerz wird durch unsere Tochter nicht weniger, niemand kann unseren Verlust mildern. Aber unsere Tochter ist ein Zeichen dafür, dass es sich lohnt, die Hoffnung nicht aufzugeben. Wir gehen Ihr gegenüber mit dem Thema „Tod, Trauer und Verlust“ ganz offen um. Sie weiß , dass ich 2 Kinder verloren habe. Wir sprechen offen und ehrlich darüber, dass das Leben endlich ist. Vergangenen Sommer hat sie das Grab Ihres Bruders besucht und dort die Blümchen gegossen und hier bei uns im Bergischen gehen wir manchmal (so morbide das klingt) auf dem Friedhof spazieren. Zum Sternengeburtstag Ihrer Brüder backen wir jedes Jahr einen Kuchen. Auch wenn sie nicht mit uns auf Erden verweilen können, so tragen wir sie doch immer im Herzen.

Herzlichen Dank, liebe Mary, fürs Teilen deiner Erfahrungen. Hast du ähnliches erlebt wie Mary? Oder hast du Fragen an sie? Schreib sie mir gerne in die Kommentare oder besuch sie auf ihrem Blog.

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Corina

2 Gedanken zu „Sternenkinder – eine Mama erzählt

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